Der Missbrauchsskandal

Von der Scheinheiligkeit katholischer Kirchenvertreter

Ist man in sozialen Netzwerken oder anderweitig im Internet unterwegs, liest man immer wieder von ranghohen deutschen Bischöfen und Kardinälen, die das Leid tausender zumeist männlicher Minderjähriger unter jahrzehntelangem systematischem sexuellem Missbrauch durch kirchliche Geistliche relativieren. Anstatt die lückenlose Aufklärung der Taten und Gerechtigkeit für die Opfer voranzutreiben, wodurch auch einiges an Glaubwürdigkeit zurückgewonnen werden könnte, lenkt man von sich und seiner Institution ab und der Skandal wird wieder mal einem großen Feindbild der katholischen Kirche angelastet.

Anfang des Jahres unterstellte der Kardinal Walter Brandmüller der Gesellschaft Heuchelei, wenn diese sich über den Missbrauchsskandal empöre. Was in der Kirche an Missbrauch passiert ist, sei nichts anderes, als was in der Gesellschaft überhaupt geschehe, so seine Behauptung. „Der eigentliche Skandal ist, dass sich die Kirchenvertreter in diesem Punkt nicht von der gesamten Gesellschaft unterscheiden.“

Nicht weniger wirklichkeitsfremd sei es, zu vergessen bzw. zu verschweigen, dass achtzig Prozent der Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld männliche Jugendliche und nicht Kinder betrafen. Zudem sei „statistisch erwiesen“, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität bestünde, führte Brandmüller weiter aus.

Allerdings gibt es einige Punkte, die Kardinal Brandmüller und viele andere sich ähnlich äußernde Kirchenvertreter vergessen oder verschweigen. Dies wäre zum Beispiel, dass sexueller Missbrauch oftmals im Verborgenen, beispielsweise innerhalb der Familie oder in Einrichtungen, in denen Abhängigkeitsverhältnisse bestehen, stattfindet. Gerade kirchliche Einrichtungen sind da ein Beispiel. Das Motiv der Täter ist dann nicht zwangsläufig sexuelle Befriedigung, sondern Unterdrückung des Schwächeren bzw. die Demonstration von Macht ihm gegenüber. Die sexuelle Orientierung oder Neigung der Täter spielt hier kaum eine Rolle.

Die hohe Zahl der männlichen Opfer liegt an der Geschlechtertrennung

Selbst wenn aber doch die sexuelle Befriedigung im Vordergrund steht, so ist dies längst noch kein Beleg für eine Homosexualität der Täter. Die hohe Zahl der männlichen Opfer im Falle des Missbrauchsskandals der Kirchen liegt viel wahrscheinlicher daran, dass zu den damaligen Zeiten vor allem in kirchlichen Einrichtungen die Geschlechtertrennung noch üblich war oder weiterhin ist. Die Jungen waren für die Geistlichen, Bischöfe etc. die nächste Gelegenheit, dass auch Letztere einmal ihren animalischen Trieben nachgeben und sich dabei sicher sein konnten, dass ihr Zölibatsbruch nicht auffliegt. Schließlich hatten die Jungen damals keine Chance, sich gegen die Übergriffe zur Wehr zu setzen. So war dieser methodische Missbrauch von Schutzbefohlenen über einen derartig großen Zeitraum hinweg überhaupt möglich.

Was die Geschlechtertrennung betrifft, darf man von wesentlich mehr weiblichen Opfern überzeugt sein, hätte es diese nicht gegeben. Die Schuldzuweisung der Kirchenvertreter auf die Homosexualität ist schlicht ein plumper Versuch, von der eigenen Verantwortung in Sachen Missbrauchsskandal abzulenken sowie in diesem günstigen Moment sich auch gleich einem alten Vorurteil zu bedienen, um eins der liebsten Feindbilder in ein schlechtes Licht zu rücken. Dies wird untermauert davon, dass Brandmüller es schuldig bleibt, bezüglich seiner Behauptung des Zusammenhangs zwischen Missbrauch und Homosexualität die Statistik, auf die er sich beruft, zu benennen.

Die Gesellschaft benimmt sich ziemlich heuchlerisch“

Diesem Vorwurf von Kardinal Brandmüller ist entgegenzusetzen, dass die Gesellschaft, um von sich abzulenken, eigene Skandale nicht einfach auf andere Personengruppen oder Institutionen schiebt. Dass die Gesellschaft nicht das Schicksal von unzähligen Opfern der eigenen sexuellen Gewalt schmälert, indem sie die Tatsache, dass religiöse Amtsträger auch lediglich Menschen mit biologischen Trieben sind, als „eigentlichen Skandal“ darstellt. Darüber hinaus vergreift die Gesellschaft – und davon vor allem die LSBTTIQ*-Community – sich nicht sexuell an Minderjährigen, während sie sich riesengroß „Zölibat“ und „sexuelle Enthaltsamkeit“ auf die Fahnen schreibt. Wer sind also die Heuchler?

Der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, wies einst darauf hin, dass der Zölibat und Homosexualität „für sich genommen“ keinen Missbrauch hervorriefen. Bei der Homosexualität ist ihm Recht zu geben. Nicht aber bezüglich dem Zölibat. Überflüssige Verbote bringen selten positive Effekte mit sich. Negativbeispiele sind hier etwa die Kriminalisierung von Cannabis-Konsument*innen oder eben eine Institution wie die Katholische Kirche, die ihren Angehörigen unter dem Begriff „Zölibat“ eine biologische Notwendigkeit verbietet. Dieses zwingt Kirchenangehörige doch dazu, etwas eigentlich völlig Normales wie die Sexualität quasi „heimlich unter’m Kirchengewand“ auszuleben, was die Gefahr, sich an zum Selbstschutz unfähigen Menschen zu vergreifen, leider erhöht. Vielleicht würde eine Abschaffung des Zölibats den Kirchen auch zu einem weniger verklemmten Umgang mit der Sexualität verhelfen. Denn Kirchenangehörige unterscheiden sich nicht von der Gesellschaft, schon gar nicht biologisch. Diesen Unterschied einzufordern und ihnen die Sexualität zu verbieten, ist unsinnig und brandgefährlich.

© by Christoph Reiner
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Ein Leben ohne Sex? – Für mich Normalität.

mmmmmMein Name ist Christoph. Noch niemals in meinem Leben hatte ich Sex oder eine Liebesbeziehung. Auch ein Verlangen danach empfinde ich nicht bzw. kaum. Hier gewähre ich einen Einblick in meine Perspektive und mein Leben als Asexueller.

Die Vorstellung von Geschlechtsverkehr finde ich abstoßend. Das war schon immer so. Auch meinen körperlichen Geschlechtstrieb nehme ich als Belastung und Störfaktor wahr. Der häufige Wortlaut besagt, regelmäßige sexuelle Handlungen dienten unter anderem dem Stressabbau. Eine These, der ich nicht zustimmen kann. Ganz im Gegenteil.

Ich bin 31 Jahre alt, lebe in Bad Schussenried, einer Kleinstadt im Osten von Baden-Württemberg, zwischen Ulm und Bodensee. Ende des Jahres 2012 hatte ich mein inneres Coming-out. Seit sechs Jahren zähle ich mich zur Minderheit der Menschen mit asexueller Orientierung. Das heißt, ich verspüre keine sexuelle Anziehung; fühle mich sexuell zu keinem Geschlecht, zu nichts und niemandem hingezogen. Demzufolge nehme ich auch kein Bedürfnis nach Geschlechtsverkehr wahr. Ich bevorzuge die Kombination der Definitionen von AVENus und AVENde, da mir die jeweils einzelne Definition allein zu ungenau ist und gerade die Deutsche – „kein Verlangen nach sexueller Interaktion“ – meines Erachtens zu sehr nach Krankheit klingt.

Ebenso habe ich romantische Gefühle noch nie so richtig empfunden. Als klar aromantisch würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. Eine Liebesbeziehung stelle ich mir durchaus als schön vor, obwohl ich nicht den Drang spüre, explizit danach zu suchen. Nachdem Anfang Juli diesen Jahres mein Bruder seine Freundin heiratete, erlebte ich ein gesteigertes Verlangen nach einer Partnerschaft, wenn es sich auch nach etwa vier Wochen wieder legte. Ich empfinde gray- oder demiromantisch, da bin ich mir noch nicht sicher.

Vor etwas mehr als zwei Jahren outete ich mich vor meiner Familie. Die Reaktion meiner Mutter war alles andere als aufschlussreich. Erst fand sie es bewundernswert, dass ich dazu stehe. Nicht lange danach störte sie sich plötzlich am offensiven Umgang mit meiner Asexualität. Der übrige Teil meiner Familie – Vater, Schwester und Bruder – nahmen mein Coming-out nur schweigend zur Kenntnis. Zwar erklärte ich ihnen die Asexualität, allerdings habe ich große Zweifel daran, ob sie sie auch wirklich verstanden haben.

Die Pubertät war grausam

Wie die meisten Asexuellen war auch ich mit meinen Gefühlen lange alleine. Dass meine Sexualität eine andere Entwicklung nimmt als die der Menschen um mich herum, wurde mir bereits mit etwa elfeinhalb Jahren bewusst. Während sich meine Altersgenoss*innen plötzlich für Sex interessierten – später auch für Beziehungen, wollten sich bei mir diese Interessen gar nicht einstellen. Weil mir „asexuell“ noch kein Begriff war, fühlte ich mich falsch, kam mir vor wie von einem anderen Stern. Immer wenn sich meine Klassenkameraden in den Freistunden sich an den Schulcomputern verbotenerweise Internet-Pornographie ansahen, zog ich mich zurück; versuchte, mich durch die Vorarbeit der Hausaufgaben oder sonst irgendwie von alldem abzulenken.

Als Kind bzw. Jugendlicher ließ ich mir viel gefallen, da ich zu jener Zeit ruhig und introvertiert war. Gerade dann ist man ein beliebtes Ziel für Hänseleien. Als ich eines Tages aber die Einladung meiner ehemaligen Mitschüler zum Pornogucken mit der Begründung, es ekelhaft zu finden, ausschlug, machte in der Schule rasch das Gerücht einer Homosexualität bei mir die Runde und die einst eher harmlosen Hänseleien steigerten sich zum Mobbing, zum handfesten Psychoterror. Eines Freitagnachmittages, am 23. September 1999, unterstützten mein Bruder und ich unsere Mutter bei der Hausarbeit. Ich bediente die Heißmangel, um Textilien wie Handtücher und Bettwäsche zu bügeln. Immer wieder versank ich dabei in Gedanken an die letzten Schikanen meiner Mitschüler*innen und die Überzeugung, dass mit mir etwas nicht stimme. Plötzlich schrie ich lauthals. Zeige-, Mittel- und Ringfinger meiner rechten Hand stecken in der Heißmangel fest – zwischen Walze und heißer Eisenplatte. Meine Mutter stürzte sich unter die Mangel und riss den Hebel zurück, der die Eisenplatte anhob. Am schlimmsten getroffen hat es den Mittelfinger. Bis auf die Knochen war alles weggeschmort. Zwei Wochen musste ich im Krankenhaus verbringen. In zwölf Operationen wurde in den Fingern nach und nach Gewebe neu verpflanzt. Ich entging nur knapp einer Amputation des Mittelfingers; das Endgelenk kann ich heute nicht mehr bewegen.

Im zweiten Schulhalbjahr der sechsten Klasse, fünf Monate nach diesem Unfall, kam dann der Sexualkundeunterricht, in den ich sehr große Hoffnungen setzte. Schnell aber wurden diese enttäuscht. Es war fast ausschließlich die Heterosexualität thematisiert, Homo- und Bisexualität wurden lediglich leicht angeschnitten. Die Möglichkeit, auch gar kein Geschlecht sexuell anziehend finden zu können, kam überhaupt nicht zur Sprache. Zwischen meinen kichernden Klassenkamerad*innen klammerte ich mich an den letzten verbliebenen Strohhalm und redete mir ein, einfach ein Spätzünder zu sein und wie die anderen auch schlicht nur mit Pornos nachhelfen zu müssen. Zusätzlich zu den ständigen Mobbingattacken meiner Mitschüler*innen setzte ich mich selbst unter Druck und tat etwas, woran ich letzten Endes zerbrochen bin. Ich nötigte mich selbst zum Konsum von Pornographie, um sexuelle Anziehung und vor allem Spaß an Sexualität zu erzwingen; um wie die anderen Menschen um mich herum zu sein. Auch wenn es mir weh tat und ich mich danach immer irgendwie unwohl, schlecht oder wertlos fühlte. Der Effekt war jedoch ein völlig anderer. Ständiger massiver Leistungsdruck meiner Eltern kam hinzu, da meine Schulnoten durch das Mobbing immer schlechter wurden, wodurch ich letztlich in einem Teufelskreis gefangen war. Ich entwickelte eine Depression und Suizidgedanken; begann mit etwa sechzehn Jahren, mich selbst zu verletzen, mich an den Unterarmen zu „ritzen“. Selbst zu töten versuchte ich mich in meinem bisherigen Leben mehrfach. Doch fast immer verließ mich im entscheidenden Moment der Mut, es zu vollenden. Im Jahr 2009, acht Tage nach meinem 22. Geburtstag, auf einer Bauschuttdeponie bei Biberach (Riß) dachte ich sogar kurz daran, mich von einem riesigen Betonklotz zerquetschen zu lassen, der von einem Schutthaufen auf meine Mutter und mich zu kullerte, am Ende aber „nur“ am roten Opel Astra meiner Eltern Totalschaden anrichtete. Mit den Pornos machte ich aber trotzdem weiter, noch immer mit der trügerischen Hoffnung, dass sich was ändert. Mit dem nach wie vor anhaltenden Druck, mich möglichst schnell als heterosexuell zu identifizieren. Dass ich doch noch wie alle anderen werde und alles in Ordnung kommt. Letzteres geschah dann tatsächlich auch – allerdings anders als ursprünglich erwünscht.

Mein Schlüsselmoment

Eines Nachts im späten Frühling 2010 – nach meinem bis heute letzten Suizidversuch, der nur noch deshalb scheiterte, weil sich beim Versuch, mich zu erhängen, ein Knoten löste und ich zu Boden fiel – lag ich im Bett und konnte nicht schlafen. So viele Fragen und Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ich dachte an mich, an mein Empfinden. An meine damaligen Mitschüler*innen und deren Mobbing-Übergriffe. An den Pornokonsum sowie daran, warum und vor allem für wen ich mir das antue. Für mich selbst jedenfalls nicht! Zum ersten Mal – nach jahrelangen Versuchen, mich zurecht zu biegen, um den Menschen in meinem Umfeld zu entsprechen – begann ich, mich explizit mit mir selbst zu befassen und während der  folgenden Tage setzte bei mir nach und nach schließlich eine Erkenntnis ein.                                                                                                                                                                                                                                                          Wenige Wochen später startete die CSD-Saison 2010. Aus diesem Anlass und reinem Interesse sah ich mir auf YouTube Mitschnitte von früheren CSDs an, was zu meiner Selbstakzeptanz einen entscheidenden Beitrag geleistet hat. So viele Menschen, die sich allen Widerständen zum Trotz geben, wie sie sind. So viele Menschen, die daraus, wie sie fühlen und was Sexualität für sie bedeutet, keinen Hehl machen. Das hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck. Zwar hatte ich noch immer kein Wort für die Art meiner sexuellen Wahrnehmung, weil diese keine*r von den CSD-Teilnehmer*innen, die ich in den Videos sah, repräsentierte. Wichtig war aber das Prinzip. Denn schlussendlich ist es mir gelungen, die Tatsachen, dass andere Menschen für mich sexuell nicht interessant sind sowie sexuelle Handlungen mir schlicht nicht gefallen und beides sich wahrscheinlich nie ändern wird, allmählich hinzunehmen. Hierdurch konnte ich nach und nach die Kontrolle über mein Leben und ein großes Stück Selbstbewusstsein und Lebensqualität zurück gewinnen.

Den endgültigen Aha-Moment, den die meisten Asexuellen wohl kennen, erlebte ich vor genau sechs Jahren, zwischen Weihnachten und Silvester 2012, als ich mittlerweile 25 Jahre alt war. Während Internet-Recherchen zum Thema „Sexuelle Orientierung“ im Allgemeinen begegnete mir erstmals der Begriff „Asexualität“. Schon außerhalb von AVEN stieß ich auf viele vertraut klingende Erfahrungsberichte, durch welche ich schließlich mein inneres Coming-out erlebte. Mein langer und schwerer Leidensweg mündete in einem Moment der Selbsterkenntnis und Selbstakzeptanz.

Das Äußere folgte in den Jahren danach, bis ich mich Anfang Oktober 2016 gegenüber meiner Familie outete. Im selben Jahr meldete ich mich auch zum ersten Mal im AVEN-Forum an. Nun war ich inmitten von Menschen, die meine Orientierung teilen.

Heute fällt es mir leicht, zu mir zu stehen und offen umzugehen damit, was Sexualität für mich bedeutet. Wenn auch ich hin und wieder mit Menschen zu kämpfen habe, die mir nicht glauben. Mir Widerreden, Vorurteile und Erklärungsversuche entgegensetzen. Meine Expertise und Selbstbestimmung in Zweifel ziehen und sich einbilden, sie wüssten über mich besser Bescheid als ich selbst.

Unter’m Strich

Das vergehende Jahr 2018 ist für mich persönlich ein schwieriges Jahr gewesen. Dieses Jahr suchte mich wieder eine Depression heim und machte mir einige Pläne zunichte – beispielsweise die CSD-Teilnahme mit AktivistA in Stuttgart oder die Teilnahme am ersten Stammtisch für asexuelle Menschen in Ulm. Sehr gerne wäre ich bei beidem dabei gewesen. Ich hoffe, dass mir dies und einiges mehr im kommenden Jahr 2019 möglich sein werden. Zeigt doch gerade meine Lebensgeschichte, wie wichtig und notwendig Aufklärung ist. Wozu durch Unwissenheit, Elitendenken und Normvorstellungen ein Mensch getrieben werden kann.

Des Öfteren werde ich – insbesondere online – gefragt, ob ich heute nochmal versuchen würde, mich umzubringen. Nein, würde ich nicht. Zwar gehe ich nachts manchmal noch immer mit dem Wunsch, einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen, ins Bett. Ich würde es aber nicht mehr aktiv tun. Nur weil ich erkannt habe, dass ich asexuell bin, verläuft mein Leben nun zwar noch lange nicht perfekt. Mein Coming-out hat mir aber doch vieles erleichtert. Zumal ich aus meiner Vergangenheit auch viele Konsequenzen und Lehren gezogen habe, die ich gerne mit anderen Menschen teilen würde. Alleine schon, weil ich so alledem, was ich erdulden und verkraften musste, einen Sinn geben kann. Vor allem aber, um fremde Augen zu öffnen und das alles anderen Menschen möglichst zu ersparen. Kindheit und Pubertät sind die wichtigste Zeit im Leben eines Menschen, weil dann Entwicklung und Selbstfindung stattfinden. In diesen Lebensabschnitten ist man am meisten beeinflussbar. Daher muss gewährleistet sein, dass jene Entwicklung und Selbstfindung ganz ohne äußeren Druck, wie ich ihn erlebt habe, ablaufen können. Unter Druck setzt man sich selbst gerade im Jugendalter schon genug.

Häufig beklagen wir Asexuelle uns über die Klischees und Vorurteile Außenstehender. Leider auch zurecht. Da verwundert es mich offen gestanden umso mehr, dass ich auch von anderen Asexuellen immer wieder gefragt werde, ob ich mir aufgrund meiner depressiven Episoden meiner Asexualität wirklich sicher sei. Sexuelle Unlust könne ja auch schließlich durch eine Depression hervorgerufen werden. Zum einen finde ich es ziemlich anmaßend, die sexuelle Identität kranker Asexueller in Zweifel zu ziehen. Wir sind keine Übermenschen, nichts Besonderes. Auch Du kannst psychisch/seelisch und körperlich erkranken, ohne dass es Deine Asexualität infrage stellt. Zum anderen stimmt es zwar, dass eine Depression die Libido schwächen oder ganz zum Erliegen bringen kann. Allerdings sehe ich zwischen meiner Asexualität und den depressiven Episoden keinen direkten Zusammenhang. Die Asexualität war bei mir – salopp gesagt – vor der Depression da. Wenn ich meine sexuelle Identität damals auch noch nicht als Solche einordnen konnte. Zumal es mir seit meinem Coming-out als asexuell insgesamt wesentlich besser geht, weswegen ich auch für ein vorzeitiges Ableben keinen Grund mehr sehe. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Euch allen wünsche ich einen guten Rutsch und ein frohes 2019 mit viel Glück, Erfolg und Gesundheit.

Euer Christoph.

Die Sache mit der (A-)Sexualität

Wenn das Thema „Asexualität“ manchmal auch in deutschsprachigen Medien zur Sprache kommt, fehlt den meisten Menschen noch immer eine grobe Vorstellung davon, worum es sich dabei überhaupt handelt. Selbst vom Word-Programm wird Asexualität nach wie vor als Fehler markiert. Na, wie bezeichnend!

Sollte ausnahmsweise einmal über uns berichtet werden, kommt man sich als Asexuelle*r wie ein Zootier, wie zur Schau gestellt vor. Die Leser*innen, Zuschauer*innen oder Konsument*innen bekommen eine Einsicht in die Lebensart dieser merkwürdigen und sonderbaren Gestalten, die lediglich noch nicht begriffen haben, dass Sex das verflucht Wichtigste im Leben eines Menschen ist.

Zunächst aber nochmals eine Erklärung, was Asexualität wirklich ist, denn Missverständnisse und Vorurteile entstehen durch nichts Anderes als fehlende Aufklärung, fehlende Bildung.

Asexuelle Menschen nehmen keine sexuelle Anziehung wahr und empfinden daher kein Verlangen nach Sex mit anderen Menschen. Das ist alles. Gar nicht so kompliziert, oder? Natürlich reden wir hier auch von einem Spektrum, denn es gibt auch Menschen, die sexuelle Anziehung zwar verspüren. Allerdings nur so selten, gering oder situationsabhängig, dass sie keine Notwendigkeit sehen, entsprechende Bedürfnisse regelmäßig zu befriedigen. Durch die Schreibweise A*sexualität (oftmals auch mit Unterstrich, also A_sexualität)  soll die Vielfalt innerhalb des a*sexuellen Spektrums verdeutlicht werden.

Bis hierhin alles verstanden? Prima! Dann lass uns mal ein bisschen Bullshit-Bingo spielen und Aussagen aufgreifen, die Asexuellen wirklich langsam gegen den Strich gehen.

 

„Mit Euch stimmt doch was nicht. Ihr solltet Euch Hilfe suchen.“

Asexualität ist eine völlig valide sexuelle Identität, wie etwa Hetero-, Homo-, Bi- und Pansexualität auch. Asexuelle sind weder krank noch traumatisiert; und wenn doch, dann sind sie es nicht wegen ihrer sexuellen Identität. Glücklicherweise ist jeder vernünftig denkende Mensch sich mittlerweile darüber im Klaren, dass diese so genannten und selbst ernannten Homo-„Heiler*innen“, beispielsweise der Bund Katholischer Ärzte (BKÄ), lediglich menschenfeindliche Fortschrittsbremsen sind. Es ist aber wirklich erstaunlich, wie lockerflockig oftmals die gleichen Leute Asexualität hingegen als „therapiebedürftige Problematik“ ansehen. Nein, Asexuelle sind nicht nur depressiv oder sonst wie psychisch oder körperlich krank! Ebenso wie Menschen jeder sexuellen Identität krank werden, können selbstverständlich auch wir psychisch bzw. seelisch oder körperlich erkranken, was bei mir persönlich tatsächlich auch der Fall ist. Ich bin asexuell und depressiv – allerdings nicht asexuell, weil depressiv! Allein schon, da die Asexualität vor der Depression da war. Asexualität ist kein Symptom irgendeiner Krankheit oder Störung. Das Einzige, was uns krank werden lässt, sind die Reaktionen Außenstehender. Die ständige Erwartungshaltung und der Druck von außen, uns entgegen unserer Identität und Empfindungen irgendwelchen unsinnigen Gesellschaftsnormen, religiösen Traditionen und altbackenen konservativen Werten anzupassen. Die andauernde Angst davor, als „unnormal“ bzw. „unnatürlich“ abgestempelt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden.

Die Vermutung, wir seien alle durch Missbrauch, sexuelle Belästigungen und Ähnliches traumatisiert und Sex sei darum für und ganz schrecklich, halte ich des Weiteren für sehr gewagt und brenzlig, da Sexualstraftaten so normalisiert werden. Wer im Gegensatz dazu tatsächlich sexuelle Gewalt erleben musste, der*dem wird nur selten Aufmerksamkeit durch Hilfe und juristischer Gerechtigkeit zuteil. Bei Fragen hinsichtlich Asexualität und Traumata geht es folglich nicht um Hilfeleistung, sondern darum, einen voyeuristischen Einblick in die Lebenserfahrungen einiger realer Menschen zu bekommen. Darum rufe ich in Erinnerung, dass das Leben und die Geschichte anderer Menschen keine Unterhaltung in Form eines Horrorfilms oder Gruselromans ist, der Außenstehenden einen Schauer über den Rücken jagen soll. Wenn Du Opfern sexuell motivierter Gewalt helfen willst, engagiere Dich in Einrichtungen wie Frauenhäusern oder spende, beispielsweise an den Weißen Ring, wenn Du mal etwas Geld übrig hast.

 

„Ihr müsst nur mal ordentlich gefickt werden.“

Wie kommt es zu dieser Äußerung? Die Asexualität wird üblicherweise im Rahmen von Diskursen thematisiert oder jemand bekennt sich dazu, was ohnehin eine Menge an Courage erfordert. Leider reduzieren dann die meisten Gesprächspartner*innen Deine abwesende sexuelle Orientierung auf die irrtümliche und unüberlegte Annahme, man müsse bloß mal guten Sex erleben, dann „hast Du schon Spaß daran und entscheidest Dich um.“ Erstens gibt es für Asexuelle in der Regel keinen guten oder schlechten Sex. Wenn Dir aufgrund Deiner Asexualität sexuelle Interaktionen sowieso unangenehm oder egal sind, wird sich der Sex für Dich auch immer gleich anfühlen. Zweitens sind weder die Asexualität noch andere sexuelle Identitäten etwas, wofür man sich entscheidet. Folglich gibt es auch kein „Umentscheiden“. Solltest Du eine asexuelle Person doch einmal ins Bett kriegen, wird sie trotzdem asexuell bleiben. Dabei ist es völlig irrelevant, wie „gut“ oder „schlecht“ der Sex ist. Drittens sind derartige verbale Entgleisungen unheimlich übergriffig und beängstigend. Zwar sollen bestimmte Personengruppen nun nicht über einen Kamm geschoren werden, jedoch äußern sich – zumindest meiner Erfahrung gemäß – besonders hetero- und homosexuelle Cis-Männer auf solche Weise, die vom Gegenüber zumeist als sehr demütigend und verletzend aufgenommen wird.

Selbstverständlich wären da leider auch noch die direkten oder indirekten Vergewaltigungsandrohungen, ob persönlich oder online. So genannte „Korrektur-Vergewaltigungen“ sind eine existente Gefahr für LSBTTIQ und auch asexuelle Menschen können hier nicht ausgenommen werden.

Ob als Ausdruck von Macht und Unterdrückung oder da manchem Andersartiges und Unbekanntes noch immer als furchtbar bedrohlich erscheint: Eine Vergewaltigungsandrohung ist einschüchternd, gefährlich und – um es nicht zu vergessen – eine Straftat. Durchdenke Deine Wortwahl also gut!

 

„Ihr versucht doch nur, etwas Besonderes und Besseres zu sein.“

Klar… wir sind nur so eine weitere Öko-Hippie-Gruppe, die auch mal einen auf Weltverbesserer machen will und sich hierfür eine völlig abwegige Identität mit willkürlicher Selbstbezeichnung ausgedacht hat.

Derartige Stumpfsinnigkeiten kommen zumeist sowohl aus konservativen als auch populistischen Kreisen und beziehen sich bei weitem nicht nur auf asexuelle Menschen. Des Öfteren habe ich bereits erlebt, dass absurderweise die Asexualität mit Veganismus gleichgesetzt wird. Das heißt, sich als asexuell identifizierenden Menschen wird häufig unterstellt, prinzipiell die gleichen Absichten wie Veganer*innen zu haben. Nämlich durch Verzicht bzw. Boykott auf Missstände aufmerksam machen und anderen Menschen etwas „verbieten“ zu wollen. Auch das hat mit Asexualität jedoch nichts zu tun. Viele Asexuelle stören sich zwar durchaus an der enormen Überrepräsentation von Sexualität in unserer Gesellschaft. Deswegen asexuell sind wir aber nicht. Die Asexualität steht nicht für Verzicht oder Boykott. Sie steht nicht für eine ablehnende Haltung gegenüber allem Sexuellen, im Gegenteil. Asexuelle fühlen sich von Menschen und nicht-menschlichen Objekten sexuell nicht angezogen und nehmen demzufolge kein Verlangen nach sexuellen Interaktionen, also Sex mit anderen Personen, wahr. Das bedeutet aber keineswegs, dass wir sexuell grundsätzlich nicht aktiv sind. Die Asexualität wird hier mit Antisexualität verwechselt. Tatsächlich bezeichnet das Letztere jenes, was viele unaufgeklärte Menschen unter Asexualität verstehen.

 

„Ihr habt keine Gefühle und wisst nicht, was Liebe ist.“

Dieses Vorurteil kann ich sogar etwas nachvollziehen. Die gängige Definition des Oberbegriffs Sexuelle Orientierung, die die sexuelle und die romantische/ emotionale Komponente miteinander gleichsetzt…

Sexuelle Orientierung (…) erfasst die nachhaltigen Interessen einer Person bezüglich des Geschlechts eines potentiellen Partners auf der Basis von Reproduktionsinteresse, Emotionromantischer LiebeSexualität und Zuneigung. (Quelle)

…lässt die Möglichkeit, dass die sexuelle und romantische Anziehung auch voneinander abweichen können, leider nicht zu. Doch gerade wir Asexuelle sind lebende Beispiele für die so genannte Split Attraction, welche die zitierte Auslegung der sexuellen Orientierung als längst überholt entlarvt. Denn anders als es diese der Allgemeinheit weismachen will, sind asexuelle Menschen bei weitem nicht alle auch aromantisch. Ebenso können auch Allosexuelle (= Nicht-Asexuelle) romantisch abweichend von ihrer sexuellen Orientierung veranlagt sein. Dies sind möglicherweise solche, die jahrelang in einer heterosexuellen Partnerschaft lebten und in dieser vielleicht sogar Kinder zeugten, dann aber plötzlich feststellten, dass sie sich gleichgeschlechtlich verliebten. Oder solche, die entsprechend ihrer sexuellen Orientierung zwar regelmäßigem Sexualverkehr nachgehen. Weil sie sich aber noch nie richtig verliebt haben, sich jedoch mit Selbstzweifeln quälen müssen, da sie das Wort „aromantisch“ nicht kennen.

Deshalb geht man – zumindest im a*sexuellen Spektrum – davon aus, dass neben der sexuellen auch eine romantische Orientierung existiert und das völlig unabhängig voneinander. So können auch wir entgegen unserer Asexualität hetero-, homo-, bi- oder panromantisch sein, wodurch es uns sehr wohl möglich ist, für andere Menschen Gefühle wie Liebe zu empfinden. Viele Asexuelle führen Beziehungen und Partnerschaften in verschiedensten Konstellationen. Nicht selten auch mit gelebter Sexualität der*dem Partner*in zuliebe.

Sie ist eben eine komplizierte Geschichte, diese sexuelle, geschlechtliche und romantische – oder kurz: menschliche Vielfalt. Sicherlich halten Konservative und Populisten deswegen mit ihren wahnwitzigen Argumentationen an ihren gestrigen und einfachen Traditionen fest. Weil sie diese Thematik kognitiv schlicht überfordert. 😉

 

„Ohne Sex leben? Also, ich könnte das nicht.“

Solche Aussagen kommen oft zusammen mit Thesen wie „Sex ist ein Grundbedürfnis wie Essen, Trinken und Schlafen. Ohne kann man nicht leben.“, die uns nach meiner Erfahrung schon im schulischen Sexualkundeunterricht eingebläut werden. Doch gibt es einen Punkt, der eine solche Behauptung als ad absurdum führt: Wäre dem so, dann wären neben Asexuellen etwa auch Klosterbewohner*innen, also Nonnen und Mönche, wohl kaum überlebensfähig. Letztere haben noch seltener Sex als Erstere und das, obwohl sie höchstwahrscheinlich noch nicht einmal asexuell sind. Von anderen Geistlichen brauchen wir wohl nicht sprechen. Hat doch, aufgrund des Verbots der Kirchen von gelebter Sexualität, so mancher Priester und Bischof in der Hoffnung, dass dies nicht auffällt, sich eben an kleinen Kindern vergriffen. Zölibat gehalten und enthaltsam gelebt? Pustekuchen! Euer Zölibat, liebe Kirchen, ist nicht nur unnütz, sondern auch brandgefährlich!

Lange Rede, kurzer Sinn: Asexualität bzw. generell sexuelle Identitäten sind kein Wettbewerb, bei dem es darum geht, etwas zu können oder möglichst lange etwas durchzuhalten. Zumal in der Regel auch Asexuelle einen rein physischen Sexualtrieb haben, der ab und an befriedigt werden will. Dies kann auch von Asexuellen je nach Person als schön und ganz nett, aber ebenso als langweilig oder unangenehm und störend empfunden werden. Rein biologisch sind wir nämlich nicht anders beschaffen als andere Menschen. Was uns von diesen anderen Menschen aber unterscheidet und uns eben zu Asexuellen macht, ist die Tatsache, dass wir keine sexuelle Anziehung verspüren und damit auch kein Verlangen, unseren Sexualtrieb im Rahmen von sexuellen Interaktionen zu stillen.

Derartige Klischees über Asexualität stammen mutmaßlich einfach daher, dass so Vieles in unserer Gesellschaft auf Sex fokussiert ist. Überall, in jedem kleinsten Aspekt wird Sex so dermaßen aufgepumpt, dass er über Schönheit, Beliebtheit, Macht und Status entscheidet. Zusätzlich befeuert wird diese Übersexualisierung noch durch Politik und selbst Religionen, indem sie ein Geschlecht über das andere stellen und jenes benachteiligen, wo es nur geht. Dafür, an diesem permanent repräsentativen, dominierenden und maßgeblichen Sex kein Interesse zu haben, weil ich die dafür notwendige sexuelle Anziehung nicht spüre, belächelt zu werden, ist in einer solch sexualisierten Gesellschaft durchweg verständlich. Zu meinem Glück und Wohlbefinden ist mir heute aber bewusst, dass der Fehler nicht meine Asexualität ist und damit nicht bei mir liegt, sondern andere Leute sich an die eigene Nase zu packen haben.

 

„Eine Beziehung zu einer*einem Asexuellen geht für mich gar nicht.“

Mit der Aussage an sich hätte ich eigentlich kein Problem, wäre da nicht der Kontext. Damit offenbarst Du, mit Asexuellen nicht nur keine Partnerschaft zu wünschen, sondern grundsätzlich nichts mit uns zu tun haben zu wollen. Natürlich darfst Du Dir selbst aussuchen, mit wem Du Dich umgibst. Lehnst Du einen anderen Menschen jedoch nur deshalb ab, weil Du Dich an einem Teil ihrer*seiner Identität, für den sie*er nichts kann, störst, nennt man das Ausgrenzung – wenn nicht sogar Diskriminierung – und dieser Mensch wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit dadurch sehr gekränkt fühlen. Weil ich selbst derartige Zurückweisungen schon häufig erleben musste, meide ich es oft, generell Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen oder gehe nicht zu Verabredungen, weil dieser Spruch dort eventuell fallen könnte.

Das Gleiche gilt im Übrigen auch sexuellen Belästigungen, auch wenn ich oftmals den Eindruck habe, dass sie die Täter*innen gar nicht als Solche meinen, sind sie explizit gegen asexuelle Menschen gerichtet. In beiden Fällen geht es meist nur darum, uns zu suggerieren, als Asexuelle fehlerbehaftet und damit wertlos zu sein.

Allerdings ist es vollkommen unerheblich, was Du mit ihr zum Ausdruck bringen willst: Sexuelle Belästigung bleibt sexuelle Belästigung – und strafbar!

 

Fasst diesen Beitrag bitte nicht falsch auf, liebe Leser*innen. Es ist nicht meine Absicht, irgendwem irgendwas schlecht zu reden. Natürlich ist Sexualität Teil unserer Gesellschaft und Kultur. Demzufolge ist es auch völlig legitim, dass sie hin und wieder in den Medien auftaucht, in Liedtexten zur Sprache kommt oder Ähnliches. Nur die schiere Menge ist mitunter nicht mehr auszuhalten und das ständige Hochjubeln von Sex kann für uns Asexuelle sowie andere sich im a*sexuellen Spektrum verortende Menschen wirklich zum Problem werden. Dass Euch der Sex wichtig ist, verstehen und akzeptieren wir. Wenn jedoch der Hype darum besorgniserregende Ausmaße annimmt und uns dadurch Nachteile entstehen, haben trotz unseres Minderheitenstatus auch wir das Recht, laut zu werden. Denn ebenso sind wir ein Bestandteil dieser Gesellschaft und dürfen daher im Gegenzug auch von Euch erwarten, als Solcher respektiert zu werden – wenn auch unsere Asexualität manches Mal im Widerspruch zu Eurem hoch gelobten Sex steht…